Bilingualer Unterricht
"We acquire languages by going for meaning first." – Diese Feststellung des amerikanischen Linguisten Stephen Krashen bildete die Grundlage für den in Deutschland bekannten bilingualen, zumeist deutsch-englischsprachigen Sachfach-Unterricht. Angetrieben von dieser Erkenntnis und den Anforderungen der zunehmend globalisierten Berufswelt, in der Englisch heute zur Lingua Franca geworden ist, haben sich in den vergangenen 30 Jahren bilinguale Unterrichtsangebote an mehr als 400 deutschen Schulen etabliert, zu denen seit dem letzten Schuljahr auch die Augustinerschule Friedberg gehört.
Dass bilingualer Unterricht in den Sachfächern außerordentlich erfolgreich ist, wurde jetzt erstmals durch die DESI-Studie (Deutsch Englisch Schülerleistungen International) im Auftrag der Kultusministerkonferenz an über 200 deutschen Schulen auch empirisch belegt. Demnach lernen Schüler aus bilingualen Klassen, in denen z.B. Geschichte, Geografie oder Biologie auf Englisch unterrichtet wird, im Hörverstehen in drei Jahren das, wozu andere Schüler mit vergleichbaren Begabungen fünf Jahre brauchen. Nicht ganz so ausgeprägt, aber ähnlich überzeugend sind die Ergebnisse in Bezug auf das Schreiben und Reden in der Fremdsprache. Damit wurde bestätigt, was Eltern und Lehrer an bilingualen Schulen schon seit Jahren erfahren: Der englischsprachige Fachunterricht erbringt nicht nur in gesellschafts-, sondern vor allem auch in naturwissenschaftlichen Fächern wie der Biologie außerordentliche Leistungen. Bislang fehlen zwar noch detaillierte Untersuchungen von Seiten der Biologiedidaktik, aber auch hier gibt es bereits ermutigende, langjährige Erfahrungen, die zeigen, dass es möglich ist, einen anspruchsvollen Biologieunterricht auf Englisch durchzuführen.
Der mit dem letzten Schuljahr im Zuge des neu eingerichteten bilingualen Zweiges erweiterte Englischunterricht in den Klassen 5 und 6 eröffnet allen Fünftklässlern in einer zusätzlichen Englisch-Wochenstunde bilingualen – geografisch, historisch und biologisch ausgerichteten – Vorbereitungsunterricht, der zunächst auf spielerische Weise erteilt wird. Dieser konzentriert sich im naturwissenschaftlichen Themenbereich z.B. auf die englischsprachige Einführung in die Pflanzen- und Tierwelt und findet in der Regel noch parallel zum deutschsprachigen Biologieunterricht statt.
Nach dieser Orientierungsphase werden auf Empfehlung der Lehrer rund 30 Schüler für die eigentliche "Bili-Klasse" ausgesucht. Das Auswahlverfahren an der Augustinerschule für die erste rein bilinguale Klasse ist inzwischen abgeschlossen und wird mit Ende des laufenden Halbjahres 2006/07 in die zweite Runde starten.
"Bild" goes bili ...
Am 30. August 2009 berichtet BILD-Online (wie auch andere Zeitungen) von einem dpa-Interview mit Thorsten Piske von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd: Zweisprachiger Unterricht schärft nach Überzeugung eines Experten das Sprachvermögen.
"Die Kinder müssen sich während des bilingualen Unterrichts stärker konzentrieren, denn wenn sie abschweifen, können sie dem Lehrer nicht mehr folgen", sagte Professor Thorsten Piske von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Studien an einer Grundschule in Kiel hätten gezeigt, dass sich der bilinguale Unterricht positiv auf die Muttersprache, auf das kreative Denken und die Konzentrationsfähigkeit auswirke.
Kontakt
Unter Schulkoordination finden Sie die Kontaktdaten von Frau Hebel-Zipper, die den bilingualen Zweig koordiniert.
Text: U. Hebel-Zipper