Mit "Piratenschiff" in die "große, weite Welt"
veröffentlicht am 30. Juni 2010 in der Kategorie "News"Kameras blitzen, der rote Teppich wurde ausgerollt. Junge Frauen in glitzernden Ballkleidern haken sich bei Männern in schwarzen Sakkos ein. Eine tuschelnde und kichernde Menschenschlange bereitet sich auf den Einlass in das graue Gebäude vor. Filmpremiere à la Hollywood? Nein: Der Abiturientenball der Augustinerschule am Freitagabend in der Stadthalle. Grund zum Feiern hatten die Schulabgänger bereits am Freitagmorgen. Bei einer akademischen Feier, ebenfalls in der Stadthalle, wurden Zeugnisse vergeben, einzelne Schüler wurden für ihre herausragenden Leistungen geehrt. Besser geht es nicht: Mit einer Abinote von 1,0 verabschiedet sich Matthias Wiecha von dem Friedberger Gymnasium. Musikalisches Talent wurde im Schulunterricht genauso großgeschrieben wie beim abendlichen Ball: Friederike Vollmer erhielt einen Preis für das beste musische Abitur und bewies ihr Können am Abend beim Auftritt des 23-köpfigen Jahrgang-Orchesters.
Auf den ersten Blick eine schaurige Veranstaltung: Totenköpfe auf den Programmheftchen abgedruckt, die Bühne zum Piratenschiff aufgerüstet, statt Rockband sorgte die Mannschaft von Captain Hook für musikalische Einlagen. Eine heitere Stimmung kam trotz allem schon beim Einmarsch der 142 Abiturienten aus neun Leistungskursen auf. "Hakt euch mal bei euren Typen ein", rief ein Schulabgänger seinen lachenden Kameraden zu. Gesagt, getan, und los ging es mit dem feierlichen Programm des Abends.
Beim Eröffnungstanz löste sich die Anspannung der letzten Stunden, Tage, Wochen und Monate. Die erste Bühnendarbietung kam von David Senarath, der nach eigenen Angaben "in alkoholisiertem Zustand auf der Abifahrt nach Rom" versprochen hatte, mit Gitarre und Gesang zum Ballprogramm beizutragen. Mit Stevie Wonders "Isn´t she lovely" verbreitete der Abiturient romantische Stimmung im Saal.
Weniger romantisch kündigte Moderator Philipp Aigner die Lehrerrede an: Heiko Weber und Frank Willim seien "an diesem Abend etwa so beliebt wie die Serben". Die anschließenden Worte der beiden Lehrer sorgten für einige Lacher, nicht aber für mehr Beliebtheit beim jungen Publikum.
Als "eher faul" bezeichneten die meisten Lehrer ihre Schüler bei einer Umfrage im Lehrerzimmer, die Arbeit mit dem Abijahrgang sei des Öfteren eine "zähe Sache" gewesen. Erfreuliche Neuigkeiten gab es für die Lehrerschaft beim Auswerten der Abiturienten-Fragebögen trotzdem. Demnach setzte etwa die Hälfte der Schüler ihr Kreuzchen bei "Ich bin eigentlich meistens gerne zur Schule gegangen." Positiv wertete Willim auch, dass sich 65 der Befragten auf ihrer Schulabschlussfahrt verliebten. Ein wenig besorgniserregend seien bloß die sechs Schüler, deren Liebe laut Fragebogen ihren Lehrern gilt. "Darüber reden wir dann zum 25-jährigen Abitreffen nochmal", scherzte Weber zum Abschluss der Rede und wünschte den Abiturienten "alles Gute in der großen, weiten Welt." In ihrer Schülerrede stellten Sina Diehlmann und Falk Ulshöfer eine Grundsatzfrage, die im Schulalltag des Öfteren aufkommt: "Sind Lehrer Menschen?" Antworten fanden die Redner hierfür nicht, das Abitur bestanden die Augustinerschüler trotzdem mit gutem Erfolg: 2,41 heißt die Jahrgangsdurchschnittsnote, das Abiturzeugnis von 31 Schülern wurde mit einer 1 vor dem Komma versehen, 89 Schulabgänger erhielten eine 2-Komma-Nochwas. Das beste musische Abiturzeugnis überreichte Ulrich Habermehl vom Rotary-Club zusammen mit einem Gutschein über 300 Euro an Vollmer. Die schulischen Höchstleistungen von Wiecha (Abi-Note 1,0) ernteten den tosenden Applaus seiner Mitschüler sowie einen Buchpreis von der Schule.
Der Auftritt des Männerballett-Ensembles aus dem Abiturientenjahrgang rundete den Ball der Augustinerschüler ab, und nicht ganz ohne Wehmut verabschiedeten sich auch die Abiturienten-Vertreter des Abends, Diehlmann und Ulshöfer, von "13 schönen Jahren Papierkügelchen werfen".
Fotoquelle
- 142-mal geschafft: Abiturienten der Augustinerschule bejubeln ihren Schulabschluss. (Foto: Cadd)
- Studienleiter Hans-Joachim Hoinka gratuliert Matthias Wiecha zur Traumnote 1,0. (Foto: hz)
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Text: Wetterauer-Zeitung (caj)
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