Theater-AG präsentiert Anti-Kriegs-Komödie "Lysistrata"
veröffentlicht am 02. Februar 2010 in der Kategorie "News"
Zwei höchst unterhaltsame Aufführungen des klassischen griechischen Stückes "Lysistrata" zeigte die Theater-AG der Augustinerschule Friedberg unter der Leitung von Kerstin Müller am vergangenen Wochenende.
Die bekannte Anti-Kriegs-Satire von Aristophanes, geschrieben im Jahre 411 v. Chr., spielt zur Zeit des Peloponnesischen Krieges zwischen Sparta und Athen. Unter diesem leidet die Zivilbevölkerung seit nunmehr 20 Jahren und ein Ende scheint nicht in Sicht, bis Titelheldin Lysistrata, gespielt von Schulsprecherin Elisa Scaramuzza (Jg.12), mit den Frauen aus Athen und Sparta einen folgenschweren Pakt schließt: Alle Frauen sollen sich ihren Männern solange sexuell verweigern, bis diese einwilligen, den Frieden wieder herzustellen.
Dies passt den sich nicht im Krieg befindenden Athenern, allen voran dem Ratsherren Probulos (Daniel Grau), natürlich überhaupt nicht, zumal die Frauen Athens auch die Akropolis und damit den wertvollsten „Staatsschatz“ der Athener besetzen und heftigen Widerstand leisten. Eine Gruppe empörter Greise will die Streikenden ausräuchern, wird aber mit Wasser übergossen und mit unwiderlegbaren Argumenten für den Frieden konfrontiert.
Die Situation führt zu allerlei grotesken, aber auch ernsten Szenen, die nicht nur den Sinn von Kriegen, sondern auch das verkrustete Frauenbild der Zeit in Frage stellt. Die Frauen werden dabei als eine latente revolutionäre Kraft präsentiert, während die Männer, angesichts der im doppelten Wortsinn "angespannten" Situation, nicht mehr ein noch aus wissen. Neben einer sonst klassischen, stilechten Kostümierung mit Toga-ähnlichen Gewändern, dienten umgeschnürte Luftballons als symbolische Genitalien der "leidenden", triebgeplagten Männer.
Nach einigen Verwicklungen und Rückschritten - mehrfach versuchen liebestolle Frauen, die Burg in Richtung der Männer zu verlassen, oder die erbosten Herren, selbige zu erstürmen - führt der Liebesentzug tatsächlich zum Erfolg. Der Sieg der Liebe wie auch der Vernunft wird mit einem Festmahl und Dank an die Götter gebührend gefeiert.
Aristophanes höchst persönlich (verkörpert von Tristan Gurb) hielt eine kurze Einführungsrede und klärte das begeisterte Publikum am Ende über die weitere historische Entwicklung im antiken Hellas auf.
Die außerplanmäßigen Theateraufführungen waren als spontane Benefiz-Veranstaltungen kurzfristig organisiert worden: Alle Einnahmen der beiden Theaterabende sollen zusammen mit dem Erlös aus einigen anderen Schul-Projekten vollständig in den Spendentopf für die Erdbebenopfer in Haiti fließen.
Text: U. Hebel-Zipper & F. Backöfer
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